Stefan Johannesberg

Digital-Experte, Medienkenner, Journalist und Führungskraft

Monat: Oktober 2013

Kleiner C2A-Check: Wie Media Markt und Saturn nach den Relaunches teasern

Fast zeitgleich relaunchten Media Markt und Saturn Deutschland ihre Online-Shops. Da ich von 2009 – 2011 einst ebenfalls versuchte, dieses Milliardenunternehmen Richtung Online zu hieven, freue ich mich einfach, dass frühere Anfängerfehler in Sachen Layout und Usebility ausgemerzt wurden.

Ein kleiner Content- bzw. Teasercheck sei aber erlaubt, denn auch hier zeigte sich beide Marken schon immer verbesserungswürdig:

Saturn.de Startseite vom 26.10.2013

Saturn.de Startseite vom 26.10.2013

Die Slider/Bühne ist bei SATURN normal aufgebaut. Immerhin werden die  drei nicht sofort sichtbaren Themen „TV-Werbung, Finanzierung, Datenschutz“ sofort mit Text angeteasert und verschwinden nicht hinter schlecht konvertierenden Punkten oder Nummern.

saturn2

Sehr gut: Ein sichtbarer und passender Call2Action

saturn3

Dagegen nicht optimal: Produkttragende Teaser ohne Call2Action oder Bewertungen.  Zudem verwirren die Sliderfunktionalitäten innerhalb der Module. Preis, Freisteller und Produktbezeichnungen sind dagegen  klar umgesetzt.

Mediamarkt1

Media Markt mit einem ähnlichen Aufbau. Die Bühne oben ist identisch. Einen Call2Action sucht man jedoch vergeblich. Schlecht.

Die Top-Seller (sehr löblich, bei saturn  ein sehr enges Datenschutz-Thema) wie immer mit krawalligem Printpreis-Layout, und wirren Hintergrundfarben, die von den Produkten ablenken. Das bisschen Branding…  Suboptimal aber vor allem: Auch hier kein Call2Action. Konversion

Gut: Das Modul geht über fast die gesamte Breite und der Kunde versteht eher die Slider-Möglichkeit.

To be continued

 

Erst auf die Fresse – und dann lass es fließen. Die Teaserschule, Teil 1

Jeder Online-Aktive kennt die Herausforderung. Das Layout der zu betreuenden Seite beschränkt die Zeichenzahl auf ein Minimum, die Deadline rückt näher und die richtigen Worte quälen sich ins Textfeld des CMS.  Doch Platz ist in der kleinsten Hütte und mit den folgenden Tipps fällt auch das Schreiben des Teasers leichter.

 Für konversionsstarke Teaser gilt generell die Formel: Auf die Fresse – dann lass es fließen

1.       Auf die Fresse

Wenn der Blick über den Bildschirm fliegt – sei es in einer Produktliste bei amazon, vor dem Einloggen in den E-Mail-Account bei gmx.de oder beim morgendlichen Scannen der Spiegel.de-Startseite – bleibt es bei kurzen, starken Substantiven oder Slogans wie „Angststarre“, „Neue Kollektion“ oder „Luxus-Dekolletés“ leichter hängen. Der Texter holt den Leser hier auf einer emotionalen Ebene ab (Angst, Sex, Neugier, Kaufrausch).

Auf die Fresse meint also hier: Eyecatcher oder Buzzword. Ein Beispiel von welt.de:

welt.de

Oder ein aktueller Bonprix.de-Newsletter:

Unbenannt2

Nur die Versalien-Schreibweise von den Auf-die-Fresse-Worten passt mir  nicht. Vielleicht hat  der Betreffzeilen-Test so entschieden, ich halte die Großbuchstaben aber für konversionsbeeinträchtigend. Sie stören den Lesefluss und damit die Informationsaufnahme von „neue Kollektion“ und „gratis“.

Meine Empfehlung wäre: Neue Kollektion – jetzt gratis liefern lassen!

Denn bei aller Buzzword-Ballerei: Ein Teaser muss durch durch Verben und Bindestriche fließen, fließen und nochmals fließen.

2.       Lass es fließen

Hat man den Leser mit einem relevanten Substantiv abgefangen, muss man ihn als nächstes zum Klicken zwingen wie Oliver Kahn einst sein Glück. Wichtig ist natürlich die zum Buzzword passende Information. Mindestens genauso wichtig: Ein möglichst starkes Verb, was sie überträgt.

Starke Verben auf der Spiegel.de-Startseite sind zum Beispiel „wüten“ und „leben“.

spiegel.de

spiegel.de_2

Oder wie beim bekannten bonprix-Beispiel: „liefern“.

Unbenannt2

Schwache Verben gehen bei Teaserzeilenknappheit zur Not auch. Hier gilt: Besser eins, als keins.

 Zusammenfassung:

Natürlich funktionieren auch viele andere Varianten. Als Leitfaden für Anfänger, als Fallback an einem schlechten Tag oder als Hilfe unter Hochdruck besteht die Formel jedoch jeden halb A/B-Test. In Zukunft werde ich mich in dieser Rubrik diversen Teaser-Fällen und weiteren Tipps für alle Formate.

Content-Regelwerk: Warum Online-Shops redaktionelles Handwerk im E-Commerce brauchen, Teil 1

Kenne deinen Leser! Benutze starke Verben! Mache dich nicht mit einer Sache gemein! Die Gebote des geschriebenen Zeitungsartikels stehen seit Jahrzehnten in jedem Journalistenhandbuch. In Zeiten sterbender Print-Marken können geneigte Redakteure mit ihren Fähigkeiten ein neues Feld erobern: Konversion und Umsatzoptimierung im E-Commerce durch die richtige Wortwahl.

 An der Spitze der investigativen Journalisten dünnt sich die Luft so schnell aus wie die regionale Zeitungslandschaft. Oder deutlicher gesagt: 99% recherchieren und schreiben sich keinen Pulitzerpreis ins Bücherregal. Alle ausgebildete Redakteure beherrschen jedoch das gleiche Kunsthandwerk: mit Sprache umgehen, immer die richtigen Worten finden.

Jüngst fielen mir im Keller die Tipps von meinem Volontariatsseminar an der Evangelischen Medienakademie in die Hände. Ich schwelgte in sanft-sehnsüchtigen Erinnerungen an die Stunden bei der ehemaligen taz-Chefredakteurin Bascha Mika oder an das desaströse Interviewtraining mit einer knallharten Berliner Politikerin, bis ein Gedanke sich urplötzlich bahnbrach:

Diese Regeln für Redakteure  – die Thesen für journalistisches Schreiben – gelten fast alle auch für Conversions-Optimierung im E-Commerce.

  1. Der Redakteur kennt seine Verantwortung, arbeitet sorgfältig und bedenkt die Folgen seiner Veröffentlichung

Der Leser erwartet es  vom Corporate-Blogger, genau wie der Kunde von den Produktbeschreibungen auf zalando.de: Sorgfaltspflicht. Wenn ich einen Text zu einem Produkt schreibe, muss ich die Verantwortung dafür übernehmen. Gerade, weil ich es – ganz wider Idealismus und Journalismus – verkaufen will.

  • Wenn der Zeitungsredakteur früher Fehler machte, hagelte es Leserbriefe.
  • Der Medizin-Redakteur trägt bei falschen Tipps in der Apotheken-Rundschau gar eine Verantwortung für die Gesundheit des älteren Lesers.
  • Und wenn die Produktbeschreibung im Fashion- oder Möbel-Shop nicht genügend auf die Stärken und Schwächen und Eigenarten des Produktes eingeht, nutzt der Kunde die kostenlose Retoure schneller als der zalando-Postbote schreien kann. Die Verantwortung gilt also eher der Bilanz des Unternehmens – und damit natürlich den Mitarbeitern.

       2. Der Redakteur kennt seine Leser

Durch Webanalyse-Tools und analytisches CRM  kenne ich den Leser /Kunden auf jeder Seite und bei jedem Use Case. Die Aufgabe also: Mit welchen Worten und Inhalten befriedige ich  seine Bedürfnisse? Die Herausforderung reicht hier vom Call2Action-Button up bis zur spannenden Story.

        3. Wählt Sachverhalte nach Aktualität, Wertigkeit und Folgen aus

Egal, ob der Politik-Redakteur oder der Shop-Manager, die Auswahl der Themen bzw. Produkte richtet sich immer nach:

  • aktueller Meldung
  • einer neuen Hochrechnung
  • der Jahreszeit für Winterjacken
  • der Optimierung von „Hype No Sale“-Artikeln (häufig angeschaut, selten gekauft).

Die Folge ist hoffentlich Relevanz beim Leser und Kunden, die sich in häufigeren Besuchen oder mehr Umsatz aufzahlt.

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